Ein Weihnachtsgruss von Dr. Martin Wenzel

Liebe Jägerinnen und Jäger,
das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu und wird uns mit nie für möglich gehaltenen Einschränkungen noch lange in Erinnerung bleiben. Kreis- und landesweit mussten, beginnend mit dem Kreisjägertag, Veranstaltungen abgesagt werden. Trotzdem haben wir, jede Lockerung nutzend, viele Aktivitäten aufrechterhalten. Der Schießbetrieb wurde baldmöglichst wieder aufgenommen, Bläsergruppen übten im Freien, Hundeprüfungen wurden abgenommen. Die aus den Mitteln der Jagdabgabe und des Naturschutzfonds geförderten Blühstreifen, erreichten mit über 60 Hektar Fläche wieder einen neuen Rekordwert und wie im vergangenen Jahr konnten betroffenen Revieren 50 Fallen und Fallenmelder zur Eindämmung der Nutriapopulation zur Verfügung gestellt werden.

Erstmalig wurde die Anschaffung von maßangefertigten Hundeschutzwesten bezuschusst, um die vierbeinigen Jagdhelfer unserer Mitglieder im jagdlichen Einsatz zu schützen. Dabei haben Jägerinnen und Jäger noch das Glück, schon frühzeitig als systemrelevant eingestuft worden zu sein. Das Ministerium erkannte die Notwendigkeit der Jagdausübung und ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung, noch bevor die Afrikanische Schweinepest in Deutschland erstmalig auftrat. Drückjagden auf Schwarzwild sind derzeit auch fast die einzigen Jagden, die unter strengen Hygieneauflagen noch gemeinsam mit anderen Jagdausübenden durchgeführt werden. So bietet die normalerweise an Terminen und Jagdeinladungen reiche Herbstzeit in diesem Jahr eher Gelegenheit zum Einzelansitz und für notwendige Revierarbeiten.
Die kaum stattfindenden Niederwildtreibjagden werden nicht nur von unseren Hunden schmerzlich vermisst. Auch wenn in vielen Revieren die steigenden Hasenbesätze Gelegenheit zu jagdlicher Ernte bieten würden, möchte fast niemand nur aus diesem Grund eine Gesellschaftsjagd durchführen, bei der kameradschaftlicher Schnack ebenso wenig möglich ist, wie Brauchtumspflege, Strecke legen oder das gemeinsame Schüsseltreiben.

Für diese Jagden mit der Flinte wird es ab dem Jahr 2022 weitreichende Änderungen geben. Es wird dann nicht nur die Verwendung von Bleischroten in „Feuchtgebieten“ und einer umliegenden Pufferzone verboten sein, sondern bereits deren Besitz in einem Umkreis von 100 Metern um jede Pfütze einen Straftatbestand darstellen. Das kommt faktisch einem Totalverbot von Bleischrotmunition und Flintenlaufgeschossen gleich. Alle Einwände gegen diese weiträumige Feuchtgebietsdefinition sowie die automatische Schuldvermutung beim Mitführen bleihaltiger Munition wurden mit einer knappen Mehrheit von 53% im EU-Parlamentabgewiesen.

Das kommende Jahr wird uns mit einer vom Bundeskabinett geplanten Änderung des Bundesjagdgesetzes weitere Neuerungen bescheren. Allerdings muss der Gesetzentwurf noch vom Bundestag beschlossen werden:
Das jagdrechtliche Verbot für Nachtzieltechnik, sowie das waffenrechtliche Verbot für Infrarotaufheller bei der Jagd auf Schwarzwild und invasive Arten soll aufgehoben werden.
Die Jägerprüfung soll bundesweit vereinheitlicht werden, wobei den Bereichen Wildbrethygiene, Lebensmittelsicherheit, Waldbau und Wildschadensvermeidung ein größerer Stellenwert zugemessen werden soll.
Bei Gesellschaftsjagden ab 6 Personen soll ein jährlich zu erneuernder Schießübungsnachweis verpflichtend werden.
Jagdhaftpflichtversicherungen sollen eine Mindesthaftsumme von 5.000.000 Euro beinhalten.
Die behördliche Abschussplanung für Rehwild soll abgeschafft werden. Stattdessen sollen Jagdgenossenschaften (Grundeigentümer) und Jagdpächter eine Vereinbarung über einen Mindest- und einen Höchstabschuss treffen, der nicht unter- bzw. überschritten werden darf.
Seit Ende November 2020 ist eine Änderung der Niedersächsische Wolfsverordnung (NWolfVO) in Kraft getreten, die den Umgang mit dem Wolf neu regelt. Die Verordnung sieht nun vor, dass in Fällen von verkehrsverunfallten Wölfen zukünftig die Einschätzung des Jagdausübungsberechtigten als rechtlich verbindlich gilt, ob das Tier von seinen Leiden zu erlösen ist. Bis zu einer praktikablen Lösung, die mit inzwischen 35 Wolfsrudeln in Niedersachsen neue Rekordwerte erreichende Wolfspopulation zu regulieren, ist es aber noch ein weiter Weg.
Momentan plant die Jägerschaft eine Mitgliederversammlung für den 27.03.2021 in der Festhalle Kutenholz. Wir hoffen sehr, dass diese auch stattfinden kann, denn es müssen Wahlen für vier von fünf Vorstandsämtern abgehalten werden. Unter anderem ist die Position des Vorsitzenden neu zu besetzen. Bislang gibt es noch keine Kandidaten für dieses Amt und ich kann leider aus beruflichen Gründen für eine Wiederwahl nicht zur Verfügung stehen. Alle Mitglieder sind aufgerufen eine Kandidatin oder einen Kandidaten zu finden, der in diesem vielseitigen Amt die Jägerschaft Stade in die Zukunft führen möchte.
Abschließend möchte ich mich bei den Mitgliedern des engeren und erweiterten Vorstandes der Jägerschaft Stade für ihr ehrenamtliches Engagement und die vertrauensvolle Zusammenarbeit im vergangenen Jahr bedanken. Vielleicht finden nun auch einige andere, entschleunigt durch Homeoffice und Kurzarbeit die Zeit, sich in ihren Hegeringen aktiv einzubringen. Nur durch persönliches Engagement in den Ehrenämtern kann unsere Jägerschaft weiterhin so erfolgreich ihre Ziele im Interesse der nachhaltigen Nutzung und des Schutzes unserer heimischen Tierwelt erreichen.
Im Namen des Vorstandes wünsche ich Ihnen, liebe Jägerinnen und Jäger im Landkreis Stade, eine schöne Adventszeit, trotz Kontaktbeschränkung erbauliche Feiertage und einen guten Start in ein gesundes Jahr 2021 mit vielen intensiven Naturerlebnissen.

Waidmannsheil Martin Wenzel